usa162016 - Die Südstaaten

Tag 13, Donnerstag 22.12

Bereits um 6 Uhr bin ich aus den Federn, denn ich habe eine lange Strecke vor mir. Auf der I-20 bin ich bei Regen unterwegs nach Jackson. Jackson ist die Hauptstadt und zugleich einwohnermäßig größte Stadt des US-Bundesstaates Mississippi sowie einer von zwei Sitzen der Countyverwaltung (county seat) von Hinds County. Jackson liegt auf dem ehemaligen Siedlungsgebiet der Choctaw. Jackson wurde im Jahr 1822 gegründet, weil Mississippi eine zentrale Hauptstadt benötigte, und nach General Andrew Jackson benannt. Der Architekt Peter van Dorn legte die Stadt schachbrettartig an, wie Thomas Jefferson gefordert hatte. Jackson hat ca. 180 T Einwohner, und, als Hauptstadt auch ein State Capitol. Dafür ist es allerdings noch zu früh. Da der Regen aufgehört hat, schlendere ich durch die Straßen. Die Sehenswürdigkeiten liegen alle nah beieinander. Das Old Mississippi Capitol, das Govenors Mansion (Herrenhaus), die City Hall usw.

Gegen 9 Uhr bin ich dann am State Capitol. Das gewaltige Gebäude wurde 1901 fertig gestellt und ist für mich eines der schönsten Capitols der USA, jedenfalls von denen die ich gesehen habe, und ich habe viele gesehen. Es ist im Beaux-Arts architectural style gebaut. Und hier ein paar Daten :
Das Kapitol ist 123 Meter lang und 69 Meter breit und umgibt insgesamt eine Fläche von 22529 Quadratmetern. Der Dom über der Rontunde ragt vom Erdgeschoss aus 55 Metern in die Höhe. Die äußeren Mauern bestehen aus Indiana Kalkstein und sitzen auf einem Sockel aus Georgia Granit. Der Dom, ein Zylinder aus glasiertem Terrakotta, ist von einer Kalksteinkolonnade umgeben. Der Adler wurde aus Kupfer geformt und mit Blattgold bedeckt. Er ist 2.4 Meter hoch mit einer Flügelspannweite von 4.6 Metern.
Die Wände der Rotunde bestehen aus italienischem Weißem Marmor mit Verziehrungen aus Schwarzem Marmor. Die acht Säulen wurden aus dem Kunstmarmor "Scagliola" angefertigt. Die Treppe ist typische in Gebäuden des Beaux-Arts-Stils, jedoch sind die wellenförmigen Elemente an den Geländern einzigartig. Die Baukosten wurden finanziert mit Bußgeld von einem Verfahren gegen die Illinois Central Railroad wegen Steuerhinterziehung. Sie betrugen 1.093641 $.

Ich bin wirklich schwer beeindruckt von dieser Schönheit. Im Plenarsaal wo die Legislative tagt, spricht mich ein Angestellter an, wo ich herkomme usw. Ah Germany ... ich war vor zwei Jahren in Gronau, Holland, das liegt direkt an der Grenze zu Deutschland. Soll ich ein Foto machen ? Klar doch und so kommt es, dass ich vom Platz des Vorsitzenden zur Nation sprechen kann. Ich verweile viel zu lange im Kapitol, aber immer neue Eindrücke kommen auf mich zu. Zum Schluss trage ich mich unten ins Gästebuch ein. Die Dame sagt das übliche "where are you from" Ah Germany ... meine Großeltern kommen aus Heidelberg. Sie freut sich sehr dass ich nur 30 Km von Heidelberg wohne und gibt mir zur Belohnung nicht nur den üblichen Sticker des Capitols, sondern zusätzlich einen besonderen Sticker von Mississippi. Den bekommt nicht jeder, betont sie. Schweren Herzens mache ich mich auf den Weg nach Selma. Die i-20 zieht sich dahin und es gibt kaum etwas zu sehen, außer dem Welcome Center von Alabama, da bin ich nämlich jetzt oder dem Gaineswood Mansion in Demopolis.

Nach 200 Meilen komme ich in Selma früher an als gedacht. Ich checke ein und mache mich auf den Weg. Selma ist eine Stadt in Alabama im Dallas County und Sitz der Countyverwaltung (County Seat). Sie befindet sich am Alabama River und hat etwa 20.756 Einwohner. Die Stadt wurde 1965 durch drei Märsche von Selma nach Montgomery weltweit bekannt. Bei den Märschen, die von Martin Luther King angeführt wurden, ging es um die Aufnahme schwarzer US-Bürger in die Wählerlisten. Die ersten beiden Märsche wurden von der Polizei kurz nach der Stadtgrenze von Selma (mit Gewalt) gestoppt. Der dritte Marsch hatte dann endlich im März 1965 den gewünschten Erfolg; dabei wurden allerdings drei Menschen getötet, darunter ein Priester. Auf Selmas Rolle im Kampf gegen die Rassentrennung weist auch die letzte Strophe des Protestsongs Eve of Destruction von Barry McGuire hin („Think of all the hate there is in Red China, then take a look around to Selma, Alabama!“). Und selbstverständlich hat es auch hier jede Menge alte, wunderschöne Häuser. Als ich so durch die Straßen laufe, bemerke ich dass viele mich "anhupen" keine Ahnung warum. Bin ich denn der Einzige der hier herumläuft ? Antwort : Ja. Wahrscheinlich werden sie zu Hause sagen : da läuft ein weisser Spinner durch die Stadt, denn hier leben überwiegend Black People. Am Abend bin ich ziemlich erschöpft und belohne mich mit einem Besuch bei KFC.

Tag 14, Freitag 23.12.

Ich wieder früh unterwegs. Um 8:20 bin ich schon in Montgomery. Montgomery im Montgomery County ist nach Birmingham die zweitgrößte Stadt und Hauptstadt des US-Bundesstaates Alabama.
Montgomery liegt im sogenannten Black Belt und war in den 1950er Jahren ein Zentrum der Bürgerrechtsbewegung. Die Stadt wurde nach dem General Richard Montgomery benannt, der im Unabhängigkeitskrieg ergebnislos versucht hatte, das kanadische Québec zu erobern. Montgomery war zwischen dem 4. Februar und dem 29. Mai 1861 die erste Hauptstadt der Konföderierten Staaten von Amerika (im Amerikanischen Bürgerkrieg). Auf den Stufen des Alabama State Capitol legte Jefferson Davis seinen Amtseid ab. Nach der Schlacht von Selma am 12. April 1865 eroberten Unionstruppen die Stadt  unter Führung von Major General James H. Wilson. Die Flagge der Stadt erinnert bis heute an die Zeit als Mitglied der Konföderation, sie enthält die Farbe grau (für die Uniformen der Südstaaten-Armee) und einen Streifen, der an die Flagge der Konföderierten Staaten von Amerika erinnert.1910 gründeten die Brüder Wright eine Flugschule in Montgomery. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde Montgomery vor allem bekannt durch afroamerikanische Bürgerrechtler. Martin Luther King erreichte hier erste Erfolge, und Rosa Parks weigerte sich hier, einen für Weiße reservierten Bussitz zu räumen (Busboykott von Montgomery).

Das State Capitol ist noch geschlossen, also schaue ich mir die Stadt an. Das erste weiße Haus der Konföderierten, die Kirche von Martin Luther King, der Rosa Park Platz, den Bahnhof usw.

 Danach kehre ich zum State Capitol zurück. Auch hier werde ich freundlich empfangen, aber des Capitol ist innen längst nicht so schön wie die anderen. Sehr schlicht gehalten das Ganze. Trotzdem wurde hier Geschichte geschrieben, denn hier wurde das Papier zur Abspaltung der Südstaaten von den USA unterzeichnet und hier wurde am 4. Februar 1861 Präsident Jefferson Davis, der erste und einzige Präsident der Konföderierten vereidigt.

Es ist heiß heute. Ich komme an dem berühmten Platz vorbei, an dem eine gewisse Rosa Parks die Frechheit besessen hatte, sich auf einen für Weiße reservierten Platz zu setzen. Was folgte war ein monatelanger Boykott der Schwarzen mit den Bussen zu fahren. Der wiederum hatte zur Folge dass der Gouverneur ein Gesetzt erlies der diese Verordnung aufhob. Ich laufe noch hinunter zum Fluss. Hier war früher der "Hauptumschlagplatz" für Sklaven.

Ich reiße mich los und fahre weiter. Erst die US 82, dann die US 6 und schließlich die US 51 bringen mich nach Eufala, direkt an der Grenze zu Georgia. Da ich früh da bin plane ich um. Schön dass ich schon einchecken kann. Ich packe aus und fahre zum 20 Meilen entfernten Providence Canyon. Jetzt bekommen ich tatsächlich etwas "Gegend" zu sehen. Der Canyon wird gerne als Georgia`s little Grand Canyon bezeichnet und gilt als einer der sieben Naturwunder Georgia`s. Nun ja darüber lässt sich streiten. Der Sandsteincanyon entstand durch Korrosion. Leider ist es heute bewölkt und die Farben kommen nicht so zum Tragen. Ich wandere ein Stück hinunter.

Um 16:30 Uhr bin ich zurück in Eufaula und kaufe im WinDixie ein. Morgen ist Heilig Abend und der Laden ist dementsprechend voll. Später wird im Zimmer "gevespert".

Tag 15, Samstag 24.12.

Ich fahre sehr früh los, und schon hab ich eine Stunde verloren, denn jetzt haben wir Eastern Time. Es ist s e h r neblig, max. 200 Meter Sicht. Ich fahre auf der 149 nach Lumpkin. Hier komme ich vorher am Canyon vorbei und klopfe mir in Gedanken auf die Schulter. Heute wäre eine Besichtigung unmöglich. Weiter geht es auf der 27 nach Plains, Americus und Cordele, danach auf der I-75 direkt nach Macon. ( Übrigens alles auf Google Earth mühelos zu verfolgen ) Unterwegs gibt es das eine oder andere Court House. Eine Besonderheit gibt es aber in Americus : Das Windsor Hotel. Es wurde 1892 erbaut um Wintergäste aus dem Norden zu gewinnen. Das Windsor hat 100-Zimmer, die Türme und Balkone sind im viktorianischen Stiel gebaut. Es nimmt fast einen ganzen Häuserblock ein. Es hat allerdings nichts mit Windsor in London gemein. Es wurde lediglich nach seinem Finanzier, John Windsor benannt. Trotzdem ist es ein imposanter Bau in so einer Kleinstadt.

Von Macon bin ich schwer beeindruckt. Macon ist eine Stadt im US-Bundesstaat Georgia und Sitz von Bibb County mit etwa 97.300 Einwohnern. Die Stadt wurde 1823 gegründet und nach Nathaniel Macon benannt, der von 1791 bis 1828 Mitglied im US-Kongress war. Indianische Ureinwohner legten in der Nähe der Stadt Erdwälle an, die heutzutage im Ocmulgee National Monument liegen. Die Stadt hat einen ganz besonderen Flair, ich fühl mich gleich richtig wohl. Wie immer lauf ich durch die Straßen und schaue mir die Gebäude an. Besonders auffällig ist die St. Joseph`s Catholic Church. Ein wunderschönes Gebäude das mich sofort fasziniert. Und um die Ecke erhebt sich das Hay House. Es wurde von 1855 bis 1859 erbaut und es gilt als Palace of the south.

Später checke ich in meinem Hotel ein. Einen Besuch des Ocmulgee National Monuments lasse ich mir aber nicht nehmen. Ocmulgee National Monument ist ein archäologischer Fundort und eine Gedenkstätte vom Typ eines National Monuments am Ortsrand von Macon. Es bewahrt Erdbauten einer prähistorischen Kultur aus der Zeit von 950 bis 1150, die der Mississippi-Kultur zugerechnet wird. Außerdem wurden im Gebiet einzelne wesentlich frühere Funde aus der Epoche der Paläo-Indianer und der Archaischen Periode gemacht. Das Gelände wurde später um das Jahr 1700 von den Muskogee- oder Creek-Indianern bewohnt sowie von britischen Indianernhändlern, die einen mit Palisaden bewehrten Handelsstützpunkt im heutigen Schutzgebiet bauten. Es dämmert bereits als ich zurück fahre. Ich muss mich beeilen, denn es ist Heilig Abend und die Geschäfte schließen bald. Später mache ich es mir in meinem Hotel gemütlich. Es gibt selbstgemachte Hot Dogs und Bier. Merry Christmas.

Tag 16, Sonntag 25.12

Das frühe Aufstehen bin ich inzwischen gewohnt. Auf der US 22 fahre ich einen Umweg nach Milledgeville, einem hübschen Städtchen mit einem schönen Old Court House. Das Old Court House ist das älteste Regierungsgebäude Georgia`s. Hier wurde im Januar 1861 Geschichte geschrieben, denn hier wurde mit 160 zu 130 Stimmen die Abspaltung Georgia`s von den Vereinigten Staaten beschlossen. Kurz danach begann der Bürgerkrieg. An der 1839 gegründeten GCSU (Georgia College & State University studieren ca. 7000 Studenten. Dann geht es weiter nach Norden auf der US 29 nach Eatonton und von da weiter direkt nach Atlanta. In Eatonton sticht das Putnam County Courthouse heraus.

Mein Hotel in Atlanta steht mitten in Downtown. Ich kann um 12 Uhr bereits einchecken. Sogleich beginn meine Tour durch Atlanta. Atlanta ist die Hauptstadt sowie die größte Stadt des US-Bundesstaates Georgia und liegt zum größten Teil im Fulton County und zu einem kleineren Teil im DeKalb County. Als 1861 der Sezessionskrieg begann, hatte die Stadt bereits 9.000 Einwohner. Wegen ihrer Funktion als Handelspunkt und Eisenbahnknoten in den Südstaaten war Atlanta ein wichtiges Ziel für die gegnerischen Unionstruppen und wurde für mehrere Monate belagert.
Die Stadt war von solcher Wichtigkeit, da man von hier mit der Bahn jede Stadt in den Südstaaten innerhalb eines Tages erreichen konnte. Der bekannteste Sohn der Stadt war Friedensnobelpreisträger Martin Luther King Er wurde 1929 in Atlanta geboren und predigte dort auch in der Kirche seines Vaters, der Ebenezer Baptist Church in der Auburn Avenue. Atlanta ist die Partnerstadt von Nürnberg.

Atlanta ist eine wunderschöne Stadt. Viele faszinierende Gebäude und eine harmonische Downtown. Was allerdings massiv stört, sind die vielen Obdachlosen, die sich in den Straßen tummeln und jeden anbetteln. Es sind fast noch mehr als in Austin. 1996 fanden hier die Olympischen Spiele statt. Heute am Feiertag ist auf dem Gelände jede Menge los. Firmen wie Coca Cola und CNN haben in Atlanta ihren Hauptsitz. "Hauptstraße" ist die Peachtree Ave. Die wichtigsten Einrichtungen befinden sich hier. Ich laufe sie hoch bis Uptown und wieder zurück.

Das Georgia State Capitol ist ein architektonisch und historisch signifikantes Gebäude. Es ist der Sitz der Regierung von Georgia und beherbergt Die Büros des Gouverneurs, Vizegouverneurs und Secretary of State befinden sich im 1. Stock, während die Georgia General Assembly von Januar bis April im 2. Stock tagt. Im 3. Stock befinden sich die Besuchertribünen und ein Museum. Es wurde 1889 im neoklassischen Stil, wie in D.C. erbaut. Der Unterschied ist, dass Treppen und Flure aus Marmor Aus Georgia hergestellt wurden. Die ursprüngliche Terrakotta-Kuppel war mit Zinn, die heutige Kuppel ist vergoldet. Das Blattgold stammt aus dem naheliegenden Dahlonega im Lumpkin County, wo der erste amerikanisch Goldrausch in den 1830ern stattfand. Die 5 Meter hohe Statue Miss Freedom ziert die Kuppel seit der Eröffnung des Gebäudes. Wegen des Feiertags ist heute natürlich leider geschlossen.

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aktualisiert: 23.01.2019